Soziales

Ein Abschlussplädoyer gegen den Agroforst

Wir betrachten ein überladenes System. Es ist nicht überladen mit Getreide, Kräutern und Bäumen, sondern überladen mit großen Erwartungen an eine multifunktionale Landschaft. Dieser idealisierten Landschaft kann Agroforst nicht gerecht werden. Natürlich können viele positive Effekte eintreten, aber es grenzt doch an Fanatismus, wenn wir die ökonomischen und ganz praktischen Schwächen der Agroforstwirtschaft ausblenden. Und eben dieser Idealismus prägt auch unsere ästhetische Wahrnehmung. Der Glaube an die Klimaneutralität romantisiert eine auf dem Reißbrett geplante Landschaft. Der Wunsch, dass die Ökologie Einzug in unsere Landwirtschaft erhält, manifestiert sich in starren Strukturen, die den Landwirt*innen vorschreiben, wo sie in den nächsten Jahrzehnten entlangfahren dürfen und wo nicht. Genauso undurchsichtig wie die Zukunft eines Betriebes ist, der mit seinen Baumreihen eine Wette über zig Jahre abschließt, wird übrigens auf lange Sicht auch die Agroforst-Landschaft sein: dichte Gehölzstreifen, werden uns den Blick in die Weite nehmen. Es hat seinen Grund, warum Menschen die Wälder verlassen haben und offene Landschaften bevorzugten. Ich bin sehr skeptisch, ob reife Agroforst-Systeme wirklich so schön aussehen, wie die romantische Kulturlandschaft vergangener Jahrhunderte. Meine Frage an Dich, Barbette: Ist es nicht einfach der ökologische Idealismus, der jedes x-beliebige „Agroforstsystem“ vor dem inneren Auge wie eine verwunschene Streuobstwiese aussehen lässt?.

Ein Abschlussplädoyer für den Agroforst

Idealismus nennst Du das? Ne, ne mein lieber Karl. Mag sein, dass es sich erstmal um eine Utopie handelt, aber ist es nicht gerade diese, die uns Menschen mit Tatendrang und Euphorie erfüllt – uns den nötigen Antrieb gibt, um uns neuen Herausforderungen stellen und unmöglich Erscheinendes möglich machen lässt? – Außerdem: Niemand behauptet, dass Agroforstsysteme ausschließlich Vorteile mit sich bringen. Die bereits tätigen Agroforstberater*innen weisen die interessierten Landwirt*innen sehr wohl auf Vor- und Nachteile hin. Hier geht es auch darum, Möglichkeiten zu schaffen in den Austausch zu treten und Wissen zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen auszutauschen.

Nimm diese Strukturvielfalt wahr! mit Bäumen bestandene, halboffene Flächen mit ihren vielfältigen Strukturen und ihrer Dreidimensionalität schaffen neue Sichtachsen und eine räumliche Tiefe in der Landschaft. Das Rascheln der Blätter im Wind, das Summen der Bienen auf dem Feld, der Duft von überreifem Obst am Boden! Du merkst … die zuvor starr und leblos erscheinende Skizze ist zu Leben erwacht, hat sich entfaltet und eine völlig eigene Dynamik angenommen. Das, mein Freund nenne ich Landschaftsästhetik! Und durch sie kann der entfremdete Mensch, dem es an Grün in seiner anonymisierten, großflächig asphaltierten und Lebensfreude absorbierenden Großstadt fehlt, seine Sehnsucht nach der wahren Natur stillen.

Der damit einhergehende Tourismus könnte so v.a. benachteiligte Gebiete fördern und sogar deren Nutzungsaufgabe verhindern. Einen Schritt weitergedacht, kann so die regionale Entwicklung gestärkt werden. Zum Beispiel durch die Diversifizierung der regionalen Produktpalette und deren Lokalvermarktung, sodass Konsument*innen in den direkten Kontakt mit den Produkten und ihren Produzent*innen treten können. – Alte Nutzungsformen könnten so auch ihren Platz in der modernen Agrarlandschaft einnehmen.

 

Ich sage Dir: Richten wir unsere Blicke wieder auf das was uns umgibt. Lasst uns Wege finden mit der Natur im Einklang zu leben! – Ich bin zuversichtlich, dass Agroforstsysteme eine gute Möglichkeit sind, um dies zu schaffen.

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