Unser Citizen-Science-Ansatz

Die folgende Abbildung verbildlicht unsere Vorstellung einer „Co-production of knowledge“. Hierbei geht es uns darum, alle unterschiedlichen Gruppen der Citizen-Scientists schon so früh wie möglich am wissenschaftlichen Erkenntnisprozess zu beteiligen. Bereits der aktuelle Planungsstand ist das Resultat von einem reziproken Interesse an der Kooperation von uns Studierenden sowie den verschiedenen AnwenderInnen der Agroforstwirtschaft.

                     © Meyenburg & Middelanis – Partizipierende unseres Citizen-Science-Projektes 

                     (Abk. DeFAF = Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft)

Wie kann die Bürger*innen-Beteiligung in der Forschungspraxis konkret aussehen?

Eine mögliche Methode, bei der wir auf die Unterstützung durch die Bürger*innen angewiesen sind, wäre z.B. die „Transekt-Zählung“ von Tagfaltern. Dabei wird ein Abschnitt in der Landschaft nach bestimmten Kriterien festgelegt („Transekt“), um die auf den Versuchsflächen vorkommenden Tagfalter zu erfassen (für Details siehe hier). Tagfalter erfüllen verschiedene ökologische Funktionen in Agrar-Ökosystemen, wodurch ihr Vorkommen und ihre Diversität auch aus einer rein agronomischen Betrachtung relevant sind. Die Bürger*innen würden im ersten Schritt die Methode einmal zusammen mit den Studierenden beispielhaft anwenden, sowie einen anwendungsgerechten Bestimmungsschlüssel und Erfassungsbogen ausgehändigt bekommen. Bei einer gründlichen Einführung können Rückfragen oder Unstimmigkeiten geklärt werden. Danach würde eine eigenständige Erfassung während des Erfassungszeitraums (April bis September) durch die Bürger*innen erfolgen. Tagfalterarten, die nicht direkt erkannt werden, könnten fotografiert und durch spezialisierte Studierende nachträglich bestimmt werden. Am Ende sollen die Daten von unseren Studierenden gesammelt, ausgewertet und allen Beteiligten zugeschickt werden, um so den Kreis zwischen gesellschaftlicher Partizipation und wissenschaftlicher Forschung wieder zu schließen.

Welche Vorteile bietet der Citizen-Science-Ansatz?

Unser Ziel ist die Erhebung praxis- und naturschutzfachlich relevanter Daten von gesellschaftlichem Interesse. Die Integration landwirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Bedürfnisse und Interessen in die Forschungsperspektive der Ökologie kann aus unserer Sicht nur durch Citizen Science gelingen. In den ersten beiden Phasen des Projektes (siehe unter Projektablauf), also im Planungsprozess sowie der folgenden Feldforschung, wollen wir die Potenziale dieses Konzepts nutzbar machen. Wir hoffen hiermit auszuschließen, dass der gesamte Erkenntnisprozess aus einer rein naturwissenschaftlichen Schwerpunktsetzung resultiert. Ein mögliches Risiko, welche diese birgt, sind praxisferne Versuchsdesigns in der Feldforschung, die zwar signifikante Ergebnisse liefern, aber nicht die Bedingungen realer Anbausysteme darstellen.

Gleichzeitig möchten wir Methoden einsetzen, die ohne die Bürger*innenbeteiligung gar nicht möglich wären. Datenaufnahmen können so an verschiedenen Orten in Deutschland parallel erfolgen und lassen sich in ökologisch relevanter Frequenz durchführen. Als Beispiel sei hier die bereits erläuterte Transekt-Zählung genannt, bei der von April bis September einmal pro Woche zwischen 10 und 17 Uhr die Tagfalterpopulation auf den entsprechenden Versuchsflächen erfasst wird. Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Bürger*innen-Beteiligung an der Erforschung von Agroforstsystemen durch unser Modellprojekt zu steigern und viele Menschen mit der Natur und miteinander in Kontakt treten zu lassen. In dem Maße wie sich die Umstellung auf Agroforstwirtschaft in den nächsten Jahren in Deutschland verbreiten wird, könnte sich durch Netzwerke wie den DeFAF die bürger*innenwissenschaftliche Begleitung unter Fortführung und Weiterentwicklung unseres Methodenkatalogs ausdehnen. Die hierdurch entstehenden Datenbanken könnten bisher nicht zugängliche oder auch nicht erkannte Forschungsfragen freilegen.