Herzlich Willkommen auf unserer Citizen-Science Austauschplattform

Drei große Fragen, die wir im Rahmen unseres Projekts beantworten wollen:

Kann die Umstellung auf Agroforstwirtschaft auch in der Praxis die hohen Erwartungen in Bezug auf Klima- und Bodenschutz sowie den Erhalt der Biodiversität halten?

Wie verändern sich die neu etablierten Flächen mit der Zeit?

Wie können wir als Gesellschaft Veränderungen in der Agrarlandschaft sowie den Einsatz der Landwirt*innen für eine nachhaltige Entwicklung wahrnehmen?

Agroforstsysteme (AFS), d.h. der Anbau und die Nutzung von Gehölzen auf landwirtschaftlichen Flächen, haben in Mitteleuropa eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter waren diese in Deutschland z.B. in Form von Streuobstwiesen weiträumig verbreitet (Grünewald & Reeg 2009). Jedoch besetzte diese alte Landnutzungsform in den vergangenen Jahrzehnten nur noch Nischen- oder Spezialbereiche, nachdem sie im 20. Jh. durch die nahezu flächendeckende Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft weitgehend aus dem Agrarraum verdrängt wurde (Nerlich, Graeff-Hönninger & Claupein 2003). Um neu einsetzende Entwicklungen in der Agrarlandschaft jedoch beschreiben zu können, hat sich der Begriff der „modernen“ AFS etabliert (für weitere Informationen siehe hier).

Angesichts zunehmender Dürreperioden, massiver Biodiversitätsverluste und des steigenden Bedarfs an CO2-Senken erfährt die Agroforstwirtschaft aktuell einen neuen Aufschwung. Als Hauptziel gilt es dabei einerseits, Synergien zwischen der ackerbaulichen Nutzung und den integrierten Gehölzbepflanzungen herzustellen, um dadurch ökologische Vorteile (z.B. die Verbesserung des Mikroklimas, sowie Erosionsschutz) im Anbau zu erzielen (Quinkenstein et al. 2009). Zum anderen soll durch diese Kombination eine ökonomisch konkurrenzfähige Produktion als betriebswirtschaftliche Alternative zu herkömmlichen Anbauformen entwickelt werden (vgl. Mirck, Kanzler & Böhm 2017).

Um die vielfältigen ökologischen Veränderungen in vielen Agroforstsystemen in der Breite der landwirtschaftlichen Realität erfassen zu können, benötigt es die Unterstützung durch Bürgerwissenschaftler*innen. Dieses Forschungsprojekt – gegründet und begleitet von Studierenden der Initiative für Landwirtschaftlichen Wissensaustausch (kurz ILWA) – widmet sich einem umfassenden, an die Bedürfnisse und Schwerpunkte von lokalen Stakeholder*innen angepassten Ansatz zur Langzeit-Forschung in modernen Agroforstsystemen.

Weiterführende Links

Hier findet ihr ein paar interessante Links mit nützlichen Informationen rund um das Thema Agroforst:

Deutscher Fachverband Agroforst (DeFAF): https://agroforst-info.de/

European Agroforestry Federation (EURAF): https://euraf.isa.utl.pt/welcome

Kurze Dokumentation:
“Wie Agroforstwirtschaft die Umwelt schützt von FUTUREMAG” von ARTE: https://www.youtube.com/watch?v=UGx-X-b9c2Y

TRIEBWERK hat einen umfangreichen Online Workshop zum Thema Agroforstwirtschaft erstellt: https://www.youtube.com/watch?v=Iv-XzXhXq10

Ein Schnelldurchlauf unserer Dimensionen, mitreißender landwirtschaftlicher Aktivismus und anpackender Optimismus findet sich auf dem Feldrundgang mit Jochen Hartmannhttps://www.youtube.com/watch?v=fcvdd71ZuOc

Schaut Euch an, wie Felix Riecken seine Edelkastanien pflanzt: https://www.youtube.com/watch?v=7wIDTa1Q1Vs

Christian Warnke setzt sich im Rahmen des Netzwerks “Ackercrowd” zusammen mit anderen Ökonomen, Agrarwissenschaftlern und Landwirten für eine vielfältigere Landwirtschaft ein, indem sie Landwirte*innen beim Umbau ihrer Höfe finanziell und beratend unterstützen: https://taz.de/Oekologische-Landwirtschaft/!5699286/

Auch Till Schaardt ist einer der Agroforstplaner, die bei https://baumfeldwirtschaft.de/ arbeiten, um gemeinsam regenerative Landnutzungssysteme umzusetzen.

Literaturverzeichnis

Grünewald, H., & Reeg, T (2009): Überblick über den Stand der Forschung zu Agroforstsystemen in
Deutschland. In: Reeg, T., Bemmann, A., Konold, W., Murach D., & Spiecker H. (Hrsg.) (2009): Anbau und
Nutzung von Bäumen auf Landwirtschaftlichen Flächen. 233. Wiley-VCH. https://doi.org/10.1002/9783527627462.ch28

Mirck, J., Kanzler, M., & Böhm C. (2017): Ertragsleistung eines Energieholz-Alley-Cropping-Systems. In: Bäume in der Land(wirt)schaft – von der Theorie in die Praxis. 47-50.

Nerlich, K., Graeff-Hönninger, S., & Claupein, W. (2013): Agroforestry in Europe: a review of the disappearance of traditional systems and development of modern agroforestry practices, with emphasis on experiences in Germany. Agroforestry Systems 87, 475-492.https://doi.org/10.1007/s10457-012-9560-2

Quinkenstein, A., Woellecke, J., Böhm, C., Grünewald, H., Freese, D., Schneider, B. U., & Hüttl, R. F. (2009): Ecological benefits of the alley cropping agroforestry system in sensitive regions of Europe. Environmental Science & Policy 12(8), 1112-1121.https://doi.org/10.1016/j.envsci.2009.08.008